Russische Lektion 2013

Für Jörg Gronmeyer kam der Moment tiefster Bitternis erst eine halbe Stunde nach Spielschluß. Da sah der wackere Verteidiger der Hamburg Mammuts die siegreichen Gegner ihre Ausrüstungstaschen die Treppe der Volksbank Arena hochschleppen, langsam, mühsam, kaum kamen sie noch voran. „Und die haben uns dermaßen abgefertigt“, entfuhr es dem fassungslosen Grony. In den beiden Stunden zuvor hatten die St. Petersburg Veterans dem Heimteam eine 7:13-Niederlage beigebracht und damit auch die diesjährige Begegnung zwischen den Partnerstädten für sich entschieden, die nach der Premiere im Vorjahr neben Deutschland-Cup und Spengler-Pokal in Davos mittlerweile einen festen Platz im europäischen Eishockeykalender hat.

Sowohl von der Spielkultur wie auch vom Resultat her schnitten die Mammuts damit deutlich besser ab als im Vorjahr (6:16). Die Erklärung: die russischen Gäste waren das Wagnis eingegangen, diesmal auf eine stark verjüngte Truppe zu setzen. Hatten sie in der vergangenen Saison noch 75jährige Spieler in ihren Reihen, so brachte ihr erfahrenster Mann es diesmal nur auf 72 Jahre, ihr jüngster zählte sogar nur 60 Lenze. Auf Seiten der Mammuts fiel allerdings ins Gewicht, dass ihr routiniertester Angreifer (Wolfgang Gehrmann, 65) alterskrankheitsbedingt nicht zum Einsatz kam.

Erwartungsgemäß begannen die Mammuts die Partie vor der großen Kulisse von 200 Zuschauern nervös und kassierten von den gewohnt ruhig aufspielenden Gästen im ersten Drittel gleich sechs Tore. Durch Treffer von Christian Brehm und Singa Meyer-Gätgens konnte der erste Spielabschnitt mit 2:6 wenigstens etwas tröstlich gestaltet werden. Im Mittelabschnitt zogen die Postsowjets dann weiterhin ihr traumhaftes Kufenballett auf, dem die Mammuts wenig mehr als jugendliches Ungestüm entgegen zusetzen hatte. Kapitän Matthias Bierer: „Im Vergleich zum Gegner sahen unsere Angreifer bei den Kontern wie Speedskater aus.“ Mehr als zwei Tore, beide vom Mannschaftsführer selbst geliefert, kamen aber nicht heraus. Stattdessen konterten die Veteranen die nach vorn orientierten Rüsseltiere mit langen Laserpässen an die blaue Linie immer wieder aus, wo in der Regel Vierfachschütze Boris Bokow die Scheibe erwartete, um sich dann seelenruhig mit seinen Angriffspartnern vor Tjark Lindenaus Tor einen vergnüglichen Eishockeyabend zu machen. Kamen die Mammuts doch einmal durch, war in der Regel beim fabelhaften russischen Torwart Sergej Banatow Endstation. Matthias Bierer: „Der stand einfach seelenruhig da und wartete darauf, dass wir verzogen.“

Als im Schlussabschnitt die verjüngte Russentruppe dann doch dem Kräfteverschleiß Tribut zollen musste, gelang dem Heimteam die Ehrenrettung. Treffer fünf und sechs markierten bewährte Kräfte: die auch an diesem Abend fabelhaft aufgelegte Singa Meyer-Gätgens sowie Christian Brehm. Der Schlusspunkt blieb Rookie Detlev Behrens vorbehalten. In der Schlussminute tanzte Anke Timm sich vor Banatow durch und legte für den Debütanten auf, der eiskalt zum 7:13 einzunetzen verstand.

EHC Mammuts:
Tor: Tjark Lindenau
Verteidigung: Thomas Haffke, Philipp Rathmer; Dirk Meyer, Oliver Sohst; Jörg Gronmeyer, Christian Leverenz
Angriff: Matthias Bierer, Christian Brehm, Jan von Döhren; Singa Meyer-Gätgens, Sebastian Döring, Andreas Wielgoß; Anke Timm/Olaf Meyer, Joel Meyer, Detlev Behrens/Christos Stambolidis
Coach: Dariusz Kania

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