Mammuts ohne Hochschulreife

Dass die Jahresschlusspartie am 29. Dezember zu einer schweren akademischen Prüfung werden würde, bekamen die Mammuts schnell schriftlich. Mit einem flachen Fernschuss in den rechten Winkel und einem trockenen Schlenzer vom Bully weg zum 0:1 und 0:2 hatte die Gastmannschaft, dasTeam der Hamburger Universität, gleich in den ersten vier Minuten klar gemacht, wie man mit Studenten spielt – auch wenn in den Reihen der Scholaren dem Augenschein nach ausschließlich Überzieher der Regelstudienzeit und der eine oder andere emeritierte Ligaspieler aufliefen. Um die Lektion gleich zusammenzufassen: den Dickhäutern wurde eine Lehrstunde zuteil, die nach Zählern 4:19 endete.

Dennoch hatten die Gastgeber nach Ablauf der regulären Spielzeit nicht genug. Weil noch eine halbe Stunde Resteiszeit in der Volksbank-Arena zur Verfügung stand, wurden nach dem offiziellen Shakehands Trikots und Reihen getauscht und noch ein munteres gemischtes Trainingsspiel aufgezogen – dies wie auch die anschließend gute Stimmung in der Kabine ein klarer Beweis für die ungebrochene Moral der Mammuts.

Wie die Rüsseltiere die höchste Niederlage der Vereinsgeschichte verarbeitet haben, macht Zuversicht für eine laufende Saison, die schwieriger wird als die überaus erfolgreiche zurückliegende Spielzeit 2011/12. Schon der durchwachsene Start mit einem Sieg in Harsefeld und einer knappen Niederlage bei den Farmsener Huskies hatte dies ahnen lassen. Auf der Verlustliste haben die Mammuts nicht nur US-Star Jason Spaulding, Ösi-Urgestein Roman Löbsch und berufsbedingt weitgehend Arne Ufer zu beklagen. Bemerkbar macht sich nun auch der Verlust der montäglichen Tariningszeit. Seit Headcoach Dariusz Kania von den Hamburg Freezers für höhere Aufgaben berufen wurde, operieren die Urzeitler überdies weitgehend ohne professionellen Beistand.

Auf diesem Hintergrund war – Ergebnis hin, Ergebnis her – die Coaching-Leistung von Mannschaftskapitän Matthias Bierer kaum hoch genug einzuschätzen. Konsequent ging das Leittier auch voran und eröffnete den Vier-Tore-Rausch der Mammuts in der 22. Minute mit einem knackigen Schlagschuss in die linke untere Ecke. Die passgenaue Vorlage hatte der auch an diesem schwierigen Abend wie ein Berserker arbeitende Philipp Rathmer gegeben. Der Verteidiger markierte sieben Minuten vor Spielende ebenfalls mit einem beherzten Schlagschuss aus kurzer Distanz den dritten Treffer der Gastgeber. Mitte des zweiten Drittels hatte sich zuvor der unermüdlich rackernde Center des zweiten Blocks, Jens Bielefeldt, mit Tor Nummer zwei belohnt, indem er nach einem Sololauf zunächst am Unikeeper scheiterte, aber schnell auf den Rückwärtsgang umschaltete, um im Nachschuss die Sache perfekt zu machen.

Mit der Schlusssirene gelang dann Käpt’n Bierer ein Kabinettstück, das der sonst so zurückhaltende Spielführer unserem Reporter vier Tage nach dem Spiel in seinen eigenen ebenso schlichten wie bewegenden Worten so schilderte: „Bei einem sehr unübersichtlichen Gewühle vor dem gegnerischen Tor, bei dem die letzten und erstmals auch deutlich aggressiveren Kräfte mobilisiert wurden, konnte ich – mit dem Rücken zum Tor stehend – mir die Scheibe aus dem Chaos herausfischen und in einer blitzschnellen, pirouettenartigen Bewegung den Puck in einer Kreisbewegung hinter mich ins Tor bugsieren. Die Wucht, gepaart mit außerordentlicher Präzision und gewitztem Spiel, ließ den Puck hinter dem vollkommen überrumpelten Torwart am inneren Rahmen entlang wirbeln und mit vollem Spin auf der anderen Seite wieder herausschießen.“

Angesichts solcher sehenswerter Mammut-Treffer konnte beim lautstarken Dutzend der Mammut-Hardcore-Fans auf der Tribüne beinahe in Vergessenheit geraten, dass die Hochschüler auf der anderen Seite etwa im Dreiminuten-Rythmus auf ihr Torekonto einzahlten. Was ihnen die Sache erleichterte, war der Umstand, dass es den Mammuts nicht gelang, die Mahnungen ihres Spielführers umzusetzen: angesichts der schnell erkennbaren Überlegenheit der Gäste ihr Heil in konsequenter Deckungsarbeit zu suchen und im Angriff auf Scheibenkontrolle und diszipliniertes Kombinationsspiel zu setzen. Sehenswerte Einzelauftritte wie die der sich auf der linken Seite immer wieder gegen die Uni-Macker durchsetzenden Singa Meyer-Gätgens oder des ungebrochen sich gegen den Untergang stemmenden Dirk Meyer vermochten die entscheidenden Defizite nicht wettzumachen. Wer immer die Dickhäuter in Zukunft trainieren wird, findet hier ein dankbares Aufgabenfeld.

EHC Mammuts:
Tor: Tjark Lindenau (I und II); Jonny Antonius (III)
Verteidigung: Philipp Rathmer, Thomas Haffke; Dirk Meyer, Oliver Sohst; Joel Meyer, Björn Jacobsen
Angriff: Matthias Bierer, Sebastian Döring, Jan von Döhren; Singa Meyer-Gätgens, Jens Bielefeldt, Olaf Meyer; Anke Timm, Wolfgang Gehrmann, Kevin Bergk

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