Mit Quickies an den Pott

Hamburg Mammuts holen den Harsefeld-Cup

Doch ehe es gegen Mitternacht des 24. März 2012 in Harsefeld so weit war, hatten die Eiszeittiere einen langen Weg durchs Feuer gehen müssen.

Ohne etliche der gewohnten Leistungsträger und auch ohne Trainer waren die Rüsselträger nach Südelbien gereist. Am Schlußtraining tags zuvor hatte deshalb der Herdenverstand die Mannschaft aufstellen müssen, und er tat es gut: eine Defence aus nur vier, aber dafür starken Spielern und drei möglichst gleichwertige Angriffsreihen. Weil einer der geplanten Verteidiger dann aber unerwartet nicht antreten konnte, war die Führungscrew um Präsi Dirk Meyer zu einer Spontanreaktion gezwungen, die sich als genialer Zug herausstellen sollte: der schnelle Jens Bielefeld wurde nach hinten beordert, seine Rolle als Center der zweiten Reihe wurde als Zusatzjob Jason Spaulding anvertraut, der auch schon als Mittelstürmer in Reihe eins eingeteilt war.

Dass der Job als Doppel-Center genau die richtige Herausforderung für ihn war, machte der Vermont-Cannonball von der ersten Spielminute an klar. In der Eröffnungspartie gegen die Harsefeld Tigers II wirbelte er über das Eis, dass sogar das eigene Team Mühe hatte, ihm konzeptionell zu folgen. Unschöner Nebeneffekt: ein ziemliches Tohuwabohu bei den Wechseln. Auch der frühe Führungstreffer nach 2:30 durch Youngster Kevin Jochims, der an diesem Tag zum Voll-Mammut reifen sollte, konnte die Nervosität der Dickhäuter nur graduell mildern. Zwar entfalteten sie beträchtlichen Offensivdruck, doch ein Konter brachte die Tigers zum Ausgleich und zurück ins Spiel. Schlussmann Jonny Antonius hatte allerdings einen großen Tag erwischt und hielt das Unentschieden bis zur Endsirene.

Im Penaltyschießen stellte der Mammut-Goalie die Tigers endgültig vor eine unlösbare Aufgabe und hielt alle drei Versuche. Weil aber Jason Spaulding sich offenbar gut warm gespielt hatte, war er es, der als zweiter Schütze entscheidend traf und den ersten Mammut-Sieg des Tages einfuhr.

Wer die Mammuts kennt, war auf den Rückschlag gefasst. Mit erkennbarem Leichtsinn gingen die Rüsselträger in die zweite Partie, diesmal gegen die Brokdorf Barracudas. Man hatte die Atomgetriebenen aus der Elbmarsch ja vor wenigen Wochen erst auf deren eigenem Eis mit 3:8 abgefertigt. Als Jens Bielefeldt nach 5:20 auf Pass von Singa Meyer-Gätgens aus kurzer Distanz zum Führungstreffer einnetzte, sah es auch nach dem erwartet leichten Spiel aus. Doch die Mammuts hatten ihre Rechnung ohne die hochgewachsenen Egge-Brüder aus Brokdorf gemacht. Beinahe im Alleingang hämmerten die Hünen auf das von Tjark Lindenau bewachte Gehäuse der Hamburger. Weil der Goalie nach einem abgewehrten Schuss auf die linke Ecke nicht rechtzeitig hochkam, gelang Brokdorf der Ausgleich per Bauerntrick. Bei Lindenaus Vorderleuten lief von da an nichts mehr zusammen. Individuelle Fehler und katastrophales Stellungsspiel ließen zu, dass die unterschätzten Brokdorfer den sich wacker schlagenden Mammut-Keeper noch dreimal überwanden.

Sensibles Getier hätte sich durch ein 1:4 womöglich deprimieren lassen, und man sah auch durchaus den einen oder anderen hängendem Rüssel Richtung Kabine schlackern. Dort aber lieferte Präsi Meyer einen Pep-Talk ab, der alles Hängende in die Höhe bringen konnte. Dass die Eiszeittiere gewillt waren, sich auch mit ungewohnten Mitteln gegen ein drohendes Desaster zu stemmen, notierte Mammutti Meyer-Gätgens: zu ihrem Entzücken sah sie, dass Joel Meyer und Kevin Jochims OBST zu sich nahmen. Und beim Einschwören vor der dritten Partie sah sich Veteran Wolfgang Gehrmann gefordert, der dem Team das Entscheidende klarzumachen versuchte: „Seht es so, Leute, die unangenehme Favoritenrolle sind wir jetzt los.“

Was die Mammuts dann gegen die Frozen Chicken aufs Eis brachten, war die reine Mentalkraft. Wie verwandelt und völlig entspannt zogen die Rüsseler ein Kombinationsspiel auf, das den starken Dänen erkennbaren Respekt gebot. Die Verteidiger Dirk Meyer, Roman Loebsch, Joel Meyer und Jens Bielefeldt agierten in Herrschermanier und schufen die Ansatzräume für das Spiel nach vorn. Bezeichnenderweise war es die für ihre Filigranarbeit bekannte MG-Reihe (Meyer-Gätgens, Meyer, Gehrmann), die den erfreulichen Teil des Tages für die Mammuts einläutete: auf Vorlage seiner Gemahlin lochte Olaf Meyer zum 1:0 ein. Wenig später kam Sebastian Döring frei vor dem Dänenkeeper zum Zuge und schickte ihm einen flachen Schlagschuss zum 2:0 durch die Schoner. Zwar markierten die Chicks kurz vor dem Ende noch den Anschlusstreffer. Doch die souverän aufspielenden Mammuts konnte nichts mehr gefährden. Die Mannschaft hatte sich erkennbar auf den ungewohnten Turniermodus eingestellt, der im Quickie-Verfahren von zweimal zehn Minuten kontrollierte Verteidigungsarbeit belohnte.

Die fast zweistündige Spielpause sah die Mammuts ihren Kraftriegelvorrat abarbeiten – und daran taten sie gut. Denn Spiel vier gegen die Scharbeutz Pirates wurde zur Feuerprobe. Die Freibeuter hatten die disziplinierte Demonstration der Dickhäuter gegen die Dänen offenbar gut bespäht und sich vorgenommen, auf Kampf und Härte zu setzen. Die Mammuts hielten dagegen, die erste Spielhälfte bot ein hitziges Gefecht mit Chancen auf beiden Seiten, die aber dank guter Torwartleistungen nicht zu Treffern führten. Fünfeinhalb Minuten vor Schluß war es dann Sebastian Döring, den Andy Wielgoß von links bediente und der die Mammuts mit dem Führungstreffer erlöste. Die bleibenden Minuten wurden zum Gemetzel. Als zwei Minuten vor dem Ende Veteran Wolfgang Gehrmann es für geboten hielt, einen der drückenden Piraten mit einem unschönen Check in den Rücken aufs Gefrorene zu schicken, kassierte die Rüsselherde die erste Strafzeit des Turniers. Weil die desorientierten Piraten allerdings die fortlaufende Zeit erwartungsgemäß zum Lamentieren nutzten statt konzentriert zu spielen, war es den Mammuts ein Leichtes, die drei Punkte einzufahren.

Es begann der Pilgerzug der Stoßzahnträger zum Pott. Aus eigener Kraft war der nur zu erreichen, wenn die nach Punkten führenden Barracudas ihr letztes Spiel gegen die Dänen verlieren würden. Das Treffen Brokdorf-Felsted sah die Mammuts deshalb fiebernd an der Bande stehen, und sie sahen Spannung pur. Lange führten die Barracudas nach einem Treffer in der ersten Hälfte, doch kurz vor dem Ende glichen die Dänen aus. Abermals musste eine Entscheidung im Penalty-Schießen fallen. Der erste Durchgang endete remis. Zweiter Zusatz: unentschieden. Im dritten Anlauf aber netzte der diensthabende Dänenstürmer ein, und sein massiger Kollege im Tor ließ den Brokdorfer Schützen scheitern. Großer Jubel bei den Mammuts.

Sollten die Rüsseltiere ihre letztes Spiel gegen Harsefeld I gewinnen, lägen sie punktgleich mit den Dänen. Da sie im direkten Vergleich gegen die Chicks gesiegt hatten, wäre das der erste Platz gewesen. Und so sollte es kommen.
Nach der heißen Partie gegen Scharbeutz konnte die Mammuts nichts mehr erschüttern. Aus der ersten Reihe, die das gesamte Turnier über stark aufspielte, knallte bei 1:28 der scheibenführende Sebastian Döring in einen gegnerischen Verteidiger. Der freitrudelnden Scheibe nahm sich Andy Wielgoß an, umn sie ins Netz zu lupfen. Den Ausgleich durch Harsefeld beantwortete Sebastian Döring postwendend mit seinem dritten Tor des Tages, zu dem ihm dankend wiederum Wielgoß die Vorlage gab. Und als Johannes Erchen im Gewühl vor dem Tigers-Tor im dritten Versuch einstocherte, blieb den Mammuts beim Stand von 3:1 als letzte Herausforderung in der Schlußminute nur noch ein Unterzahlspiel zu überstehen, weil Jason Spaulding in die Kühlbox geschickt worden war. Als die letzten zehn Sekunden heruntergezählt waren, war da nur noch ein großer Mammutknubbel auf dem Eis, aus dessen Mitte man die Stimme Amerikas hörte: „I’m going to sleep well tonight.“ Jason Spaulding hatte diverse Gründe dafür.

EHC Mammuts 09: Tor: Jonny Antonius, Tjark Lindenau;
Verteidigung: Jens Bielefeldt, Dirk Meyer; Roman Loebsch, Joel Meyer;
Angriff: Sebastian Döring, Jason Spaulding, Andreas Wielgoß; Johannes Erchen, Kevin Jochims; Wolfgang Gehrmann, Singa Meyer-Gätgens, Olaf Meyer

EHC Mammuts 09Harsefeld Tigers 22:1 n.P.
Brokdorf BarracudasEHC Mammuts 094:1
EHC Mammuts 09Frozen Chicken Felsted2:1
EHC Mammuts 09Scharbeutz Pirates1:0
Harsefeld Tigers 1EHC Mammuts 091:3

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