Können Mammuts zählen lernen?

Elefanten hat man in Zirkusnummern schon zählen und rechnen gesehen, weshalb die Dickhäuter unter die intelligenteren Tiere einzureihen sind. Wie es in dieser Hinsicht um ihre evolutionsgeschichtlichen Vorläufer, die Mammuts, steht, weiß man nicht. Über die Schwierigkeit der Aufgabe, vor welcher der schlesische Eishockeylehrer Dariusz Kania in Hamburg steht, lässt sich darum auch nichts genaues sagen. Er muss seinem Team, den Mammuts, jedenfalls beibringen, bis drei zu zählen. Die praktische Anwendung der mathematischen Grundausbildung bestünde dann darin nachzuvollziehen, dass ein Eishockeyspiel aus eins, zwei, DREI Spielabschnitten besteht.

Es war vor allem diese Kenntnis, die den Eiszeittieren in der Begegnung mit den Hanse Hobbits (Volksbank-Arena, 17. April 2012) offenbar völlig abging. Zwar konnte das Heimteam die Partie mit 8:7 für sich entscheiden, und vom reinen Resultat her blieb so der Eindruck ungetrübt, dass die Mammuts eine starke Saison spielen. Was sie allerdings im mit 4:6 abgegebenen letzten (also DRITTEN) Drittel auf dem Eis ablieferten, stellt Coach Kania vor die Aufgabe, ihnen doch noch einiges mehr als das Zählen beibringen zu müssen.
Dabei war der Start vielverheißend. Die Rüsseltiere traten dermaßen dominant auf, dass das Spielgeschehen des ersten Abschnitts beinahe ausschließlich in der Zone der Gäste stattfand. Es dauerte allerdings bis zur 18. Minute, ehe Christian Brehm mit einem halbhohen Schuss auf die rechte Seite die Überlegenheit auf dem Eis in einen Zähler umwandeln konnte.
Die Forderung des Trainers nach besserer Chancenverwertung nahm sich dann im zweiten Abschnitt ausgerechnet die etwas originell zusammengesetzte dritte Angriffsreihe zu Herzen. Kania hatte dem erst kürzlich zu den Mammuts gestoßenen und technisch wie spieldynamisch herausragenden Center Arne Ufer die filigrane Anke Timm und Altmammut Wolfgang Gehrmann zur Seite gestellt. Gleich nach dem Anpfiff besorgte Ufer selbst das 2:0, um anschließend vor allem den auf rechts spielenden Gehrmann dreimal mit torreifen Vorlagen zu versorgen, die den Veteran allerdings reaktionstechnisch überforderten. Erst in der letzten Minute des Abschnitts, nachdem die Hobbits auf 2:1 herangekommen waren, hatte Gehrmann sich im Slot inzwischen so gemütlich eingerichtet, dass er von dort zweimal hintereinander einnetzte.

Dann kam Drittel Nr. drei, und wer die Mammuts kannte, war darauf gefasst, dass sie bei einer 4:1-Führung nun auf unbekümmerte Offensive setzen würden. Prompt verkürzten die Hobbits auf 4:2, was zunächst kein großer Schaden war. In fabelhaften Sololäufen gaben Christian Brehm und Arne Ufer mit den Treffern zum 5:2 und 6:2 dem Mammut-Leichtsinn weiter Futter. Die Rechnung kam umgehend. Vor allem der erste Block ließ jede Orientierung nach hinten vermissen und wurde dreimal in Folge von schnellen Vorstößen der Hobbits überrannt, die so auf 6:5 herankommen konnten. Einmal unter Druck, ließen die Mammuts jeden Ansatz zum Kombinationsspiel vergessen. Wären nicht Jason Spaulding und Matthias Bierer gewesen, die abermals mit beherzten Einzelleistungen Treffer sieben und acht besorgten – die Sache hätte böse enden müssen. Dreimal war es auch Keeper Tjark Lindenau, der mit spektakulären Paraden Schlimmes verhinderte (er hatte zur Hälfte der Spieldauer Jonny Antonius abgelöst, der bis dahin einen ruhigen Abend verbracht hatt). Zu allem Überfluss trat nun auch ein, was bei der Begegnung dieser beiden Teams zu befürchten war: die Partie wurde hektisch und schmutzig, wobei sich bezeichnenderweise sogar der friedfertige Jason Spaulding durch Verbalattacken provozieren ließ. Einmal aus dem Tritt geraten, kassierte das Heimteam abermals den Anschlusstreffer – und durfte die Sirene beim Stand von 8:7 als ausgesprochenen Gnadenakt empfinden.

EHC Mammuts 09: Tor: Jonny Antonius, Tjark Lindenau (31. Min.); Verteidigung: Dirk Meyer, Oliver Sohst; Jörg Gronmeyer, Roman Loebsch; Björn Jacobsen, Holger Lund; Angriff: Matthias Bierer, Christian Brehm, Jan von Döhren; Tiziano di Paolo, Jason Spaulding, Andreas Wielgoß; Wolfgang Gehrmann, Anke Timm, Arne Ufer

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