Richtiges Eishockey beim 4. Mammut-Cup

Der Headcoach hatte recht, wie immer. „Das war phasenweise richtiges Eishockey“, bilanzierte Matthias Kania am Ende eines langen Turniertages. Der Ort für seine goldenen Worte passte gut. Die Komfortkabine, die beiden Heimteams am 9. Mai, dem Tag der Spiele um den 4. Mammut-Cup, ein Zuhause gab, war ihnen wie gewohnt von den Hamburg Freezers überlassen worden – und die spielen ja mitunter auch Eishockey der richtigen Art. Was aber Coach Kania nicht erklärte, war, was eigentlich darunter zu verstehen ist. Eine verbandsoffizielle Festlegung lässt nach wie vor auf sich warten. Konsens wird unter den Hockeymenschen dieser Welt aber sein, dass – neben den gängigen Zutaten wie Tempo, Akrobatik, Technik, Härte, Grazie, Emotion, Genie – zum richtigen Eishockeyspiel auch dies gehört: das Drama der letzten Minute.

Und das hatten die Dickhäuter zu bieten, und zwar vom Feinsten.

Ganze 12 Sekunden trennten die Gelben Mammuts im turnierentscheidenden Match gegen die Brokdorf Barracudas von einer Peinlichkeit, die sie eigentlich hatten vermeiden wollen: dass zum zweiten mal in der Geschichte des Cups, nach 2013, ein gastgebendes Team die große Trophäe erobern würde. Bei Punktegleichstand von 9 Zählern führten die Gelben bis 12 Sekunden vor Spielende mit 3:2 und spürten schon die Last des großen Cups auf ihren Schultern. Doch mit einem Hammer in die linke obere Ecke, gegen den Mammut-Keeper Malte Fock machtlos war, glichen die Barracudas im allerletzten Augenblick aus. Penaltyschießen. Rookie Pierre Meyer überwand im ersten Anlauf den Brokdofer Goalie, doch der Puck blieb am Pfosten hängen. Der erste Brokdorfer Schütze traf. Markus Stevens netzte den zweiten Versuch für die Mammuts ein, aber auch der zweite Brokdorfer Schütze konnte Fock überwinden – womit die Barracudas den Turniersieg sicher hatten und die Gelben Mammuts auf den erlösenden zweiten Rang verwiesen.

Es war ein würdiges Ende für ein großes Spiel, das standesgemäß die Superstars des Turniers prägten. Brokdorfs Goalgetter Alexander Charitonow, der mit einem Solo auch den Ausgleich zum 3:3 besorgt hatte, wurde nicht zu Unrecht als Most Valuable Player ausgezeichnet. Mit acht Treffern lag er objektiv um einen Punkt besser als der Mann, den die Fachpresse als „Gretzky von Blankenese“ feiert und eigentlich auch als den Spieler des Turniers gesehen hatte: Markus Stevens. Mit spektakulären Alleingängen hatte der Deutschkanadier sämtliche fünf Begegnungen seiner Mannschaft geprägt, und allein in der Entscheidungspartie alle vier Treffer besorgt.

Nach der starken Saison 14/15 hatte die Befürchtung der Ausrichter, das Turnier ungewollt zu gewinnen, groß sein müssen. Statt die stärkestmögliche Mannschaft ins Rennen zu schicken, hatte der EHC Mammuts deshalb seine besten Kräfte auf zwei ausgeglichen starke Teams verteilt und mit noch an ihrer vollen Entfaltung arbeitenden Talenten aufgefüllt. Was die Gelben Mammuts aber nicht davon abhielt, sich mit zwei Auftaktsiegen von Beginn an unter die Turnierfavoriten einzureihen. Lediglich die Brudermannschaft Blaue Mammuts hielt sich an die Devise „Lieber nicht gewinnen“ und legte in der Eröffnungspartie eine verheißungsvolle 2:6-Niederlage hin. Zwar war die Begegnung von originellen Torwartleistungen gezeichnet – Goalie Tjark Lindenau ließ die Harzer Luchse nicht nur einen klassischen Bauerntrick zelebrieren und toppte das kurz darauf, indem er den bei einem Icing unschuldig über das Eis gleitenden Puck mit einer lockeren Bewegung seiner Kelle ins eigene Gehäuse bat. Aber am Torwart lag es nicht. Vor allem den Angriffsreihen war in der frühen Morgenstunde sichtlich noch nicht zu Bewusstsein gekommen, dass auch in der Defensive Arbeit wartet. In der zweiten Begegnung war der Aufwachprozess immerhin soweit fortgeschritten, dass den eigenen zwei Treffern nur noch vier Gegentore gegenüberstanden. In der Mittagspartie gegen die gelben Sportsfreunde aus dem eigenen Haus allerdings waren die Blauen dann endlich wach und legten mit den Brüdern eine intensive Begegnung aufs Eis, die Coach Kania vor allem im Auge hatte, als er vom richtigen Eishockey sprach. Ein Hammer des blauen Erstreihen-Centers Marcel Köster entschied die Partie zum 1:0, und stellte sicher, dass auch die Blaumammuts sich in die Stimmen einreihen konnten, die am Ende des Tages durchweg von einem großen Turnier sprachen.

Die fünfzehn Begegnungen boten fast alles, was Eishockey zum großartigsten Sport der Welt macht. Eine Fülle kleiner Bankstrafen – vor allem für die Heimteams – war Ausdruck höchsten spielerischen Engagements. Die Begegnung Barracudas – Luchse musste beim Stand von 5:0 gar ohne Wertung abgebrochen werden, weil die Raubfische zu aggressiv zur Sache gingen. Der Verlust von drei Punkten brachte sie indes nicht um den Turniersieg. Etliche Spieler setzten individuelle Highlights – wohl auch weil sie sich auf die außergewöhnlichen Anforderungen eines Hobbyturniers als Ligaspieler fit zu halten pflegen.

Bei den Gastgebern registrierten die Chronisten, dass sämtliche Leistungsträger die Erwartungen erfüllten – offiziell honoriert wurde Gelb-Goalie Malte Fock mit einer Save-Quote von 88,57 Prozent als bester Torwart des Turniers. Zudem wussten etliche Hoffnungsträger auf sich aufmerksam zu machen. So metzelte Jens W. Tathoff aus der zweiten gelben Verteidigung immer wieder wirkungsvoll durch die gegnerischen Reihen – und festigte nebenher sein Autorität als Familienvorstand, indem er unter den Augen seiner ebenso stattlichen wie beeindruckten Kinderschar Harzer Luchse vertrümmte. Simon stellte seine wachsende Abgeklärtheit mit einem lehrbuchmäßigen Empty Net-Goal gegen die Luchse unter Beweis. Die Rookie-Reihe um Mutter Timm (Filius Lucas und Präsidenten-Sproß Pierre Meyer) ließen die Eisfläche Wellen schlagen. Nur der als persische Wunderwaffe für die allerletzte Partie aufgehobene Siamak Forouhi konnte bei seinem Debüt den gewohnt konzentrierten Vorwärtsdrang noch nicht so in Zählbares umsetzen, dass er die Blauen Mammuts vor einer knappen finalen Niederlage bewahrte.

Was gar nichts daran änderte, dass beim 4. Mammuts Cup richtiges Eishockey geboten wurde. Oder auch ein richtiges Turnier.

Spielergebnisse 4. Mammuts-Cup 2015

Mammuts blauHarzer Luchse2:6
Brokdorf BarracudasPirates Scharbeutz6:0
Tigerenten HarsefeldMammuts gelb0:3
Brokdorf BarracudasMammuts blau4:2
Harzer LuchseTigerenten Harsefeld6:3
Pirates ScharbeutzMammuts gelb1:2
Tigerenten HarsefeldPirates Scharbeutz9:4
Mammuts gelbMammuts blau0:1
Harzer LuchseBrokdorf Barracudas0:5 nicht gewertet wg. Spielabruchs
Mammuts gelbHarzer Luchse3:1
Tigerenten HarsefeldBrokdorf Barracudas2:5
Mammuts blauPirates Scharbeutz2:1 n.P.
Mammuts gelbBrokdorf Barracudas4:5 n.P.
Pirates ScharbeutzHarzer Luchse2:4
Mammuts blauTigerenten Harsefeld3:4

Schlußtabelle 4. Mammuts-Cup 2015

PlatzMannschaftPunkte
1.Brokdorf Barracudas11
2.Mammuts gelb10
3.Harzer Luchse9
4.Tigerenten Harsefeld6
5.Mammuts blau5
6.Pirates Scharbeutz1

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