Perfekte Gastgeber

Was für eine Scheiße!“ – der Satz, der Mammutspräsident Dirk Meyer am Abend des 17. Mai in der Volksbank Arena am Mikrofon und vor versammeltem Publikum entfuhr, wird sich als klassische Eröffnungssentenz einer Siegerehrung vermutlich auf Dauer nicht etablieren. Und wenn einem Mann mit so vollendeten Umgangsformen wie dem Vereinschef solches entfährt, muss Unfassbares vorausgegangen sein. War es auch. Wenige Minuten zuvor hatte Meyer mit seinem Team Blaumammuts die vierte Niederlage des Tages kassiert – und das exakt fünf Sekunden vor dem Ende der Partie gegen die Harsefeld Tigerenten, in der das Heimteam durchgehend leicht überlegen agiert hatte.

Der unfassbare, aber nicht unhaltbare Treffer aus dem Getümmel vor Goalie Malte Focks Gehäuse setze den bitteren Schlusspunkt unter einen Turniertag, wie ihn die Mammuts in ihrer Vereinsgeschichte noch nicht erlebten. Nachdem die Veranstalter im Vorjahr mit ihrem blauen Team den Cup behalten hatten, konnte lediglich die gelbe Brudermannschaft ihren Titel verteidigen, der leider der des Turnierletzten war. Mammuts Blau kamen auf Rang fünf, weil sie das gleich stark aufgestellte gelbe Team im vereinsinternen Vergleich mit 3:1 geschlagen hatten – und die drei restlichen Partien sämtlich verloren. Anders als die nackten Zahlen nahelegen, spielten allerdings beide Gastgeberteams ansehnliches Eishockey und überzeugten vor allem durch eine nahezu unglaubliche Moral.

So knapp wie die Schlusspartie entschieden wurde, hatten sich die Blaumammuts in allen verlorenen Begegnungen geschlagen geben müssen. Das Eröffnungsspiel gegen die Harzer Luchse, in dem sich Malte Fock wieder und wieder durch große Saves auszeichnete, ging nach 0:0 in der regulären Zeit ebenso ins Penaltyschießen wie Spiel zwei gegen die Brokdorf Barracudas. Beide Male behielten die Gästeteams mit einem Treffer das bessere Ende. Bei der 0:2-Niederlage gegen den späteren Turniersieger Backdraft Cologne fiel der zweite Treffer nach einer bissig geführten Partie erst am Ende ins empty net. Dass das schlechter plazierte Team der Gelbmammuts in der Zahlenoptik unter Wert dastand, offenbarte die Torstatistik. Team Blau produzierte im gesamten Turnier lediglich drei Treffer, ausgerechnet gegen die Vereinsbrüder, deren Gehäuse von Tjark Lindenau gehütet wurde. Team Gelb dagegen traf immerhin siebenmal, wobei Markus Stevens mit drei Zählern seinen Ruf als Goalgetter unterstrich.

Die fünf Sekunden, die Mammut-Chef Dirk Meyer so aus der Fassung brachten, waren nicht nur die Schlusssekunden eines Spiels. Sie waren zugleich finaler Moment einer wechselvollen Saison 2013/14, die den Mammuts neben großen Auftritten beim Turnier in Braunlage, in der Brokdorfer Hobbyliga und beim Auswärtssieg in Köln am Ende wenigstens den Ruf beschert hatte, perfekte Gastgeber zu sein.

BLAUMAMMUTS

Tor: Malte Fock; Verteidigung: Dirk Meyer, Oliver Sohst; Olaf Meyer, Detlev Behrens; Angriff: Andreas Wielgoss, Joel Meyer, Kevin Bestmann; Singa Meyer-Gätgens, Jens Bielefeldt, Jörg Gronmeyer; Julian Philippi, Moritz Gehrmann, Lucas Timm/Pierre Meyer

GELBMAMMUTS:

Tor: Tjark Lindenau; Verteidigung: Bengt Hausen, Philipp Rathmer; Michael Modrack, Sigbert Laakmann; Angriff: Arne Ufer, Markus Stevens, Jan von Döhren; Maksim Kalnins, Christian Leverenz, Nikita Becker; Fabian Harms, Anke Timm, JP Riedel;

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