Mammuts gewinnen Platz vier und fünf beim Heimturnier

Das wertvollste Gastgeschenk für die Mammuts kam aus Köln. Unten auf dem Eis lief gegen 19 Uhr 15 die letzte Partie des Turniers um den Mammut-Cup zwischen den BlauMammuts und den Harsefeld Tiger-Enten. Oben auf den Rängen peitschten die zuscheuenden Spieler von Backdraft Cologne das Heimteam mit frenetischem Jubel nach vorn, denn dessen Sieg hätte Harsefeld den Cup noch entreissen können – zugunsten der Kölner. Mammut-Defender Philipp Rathmer hatte sich beim Stand von 1:1 wieder einmal aussichtsreich nach vorn durchgetankt. Als Backdrafter Jörg Remers bei der Gelegenheit hörte, dass der Hamburger dort unten, den er gerade bejubelte, eigentlich Düsseldorfer war, schenkte er ihm spontan das Höchste, das ein Kölner in die verfeindete Nachbarstadt vergeben kann: die Generalabsolution. Remers: „Wenn der Jung schon lang in Hamburg lebt, ist dat mit Düsseldorf verjährt.“

Es reichte am Ende nicht für die Herzensfreundschaft zwischen Hamburg und Köln, die Niedersachsen holten nach einem weiteren Treffer zum 2:1 Endstand den Cup. Echte Kölsche können aber auch einen zweiten Platz mit Anstand bejubeln. Und die Mammuts waren sowieso der große Gewinner des Turniers, auch wenn ihre beiden Teams am Ende lediglich die Ränge vier und fünf unter sechs Teilnehmern belegten. Denn erstens lieferten sie in jeder ihrer Begegnungen großartiges Hobbyeishockey ab – mit nur einer Ausnahme, nämlich der 0:4 verlorenen Auftaktpartie der GelbMammuts gegen den späteren Turniergewinner. Und zweitens hatte Präsident Dirk Meyer schon im Vorfeld die Devise ausgegeben, dass gute Gastgeber nicht unbedingt ihre Gäste an die Wand spielen sollen. Das Vereinsziel Nummer eins, Hobbyeishockey zu spielen, an dem alle den größtmöglichen Spaß haben, wurde voll erreicht. Und auch sportlich kam niemand zu kurz, denn jede Partie der Mammuts war äußerst eng und hätte gut auch mit einem weniger gastfreundlichen Resultat enden können.

Assistenzcoach Maciej Kania, der den zu Besuch bei den Los Angeles Kings weilenden Cheftrainer Dariusz Kania kompetent vertrat, hatte die Mannschaften mental bestens vorbereitet. In der von Heavy Metal-Klängen musikalisch angenehm eingestimmten De Luxe-Kabine der Hamburg Freezers, welche die Mammuts für diesen Tag hatten beziehen dürfen, hatte er im Morgengrauen die Parole ausgegeben: „Aus der Defensive heraus spielen. Wir haben kurze Spielzeiten, da lohnt es sich nicht, permanent anzugreifen. Und es ist ein langer Turniertag, teilt also eure Kräfte ein.“
Dass sie aber mit unbändigem Siegeswillen angetreten waren, zeigten die BlauMammuts unter Führung von Kapitän Matthias Bierer gleich in ihrer ersten Begegnung gegen die Scharbeutz Pirates. Die gewohnt dynamische erste Angriffsreihe mit Bierer, von Döhren und Brehm wurde von hinten kräftig angeschoben vom Verteidiger-Duo Haffke/Rathmer, und es war vor allem der Düsseldorfer, der mit Schüssen von der blauen Linie für Alarm auf dem Piratenschiff sorgte. Das schoss zurück; noch in der ersten Minute überlief Scharbeutz mit einem Break die aufgerückte Mammut-Verteidigung und netzte zur Führung ein. Sechzehn Sekunden vor der Pause zahlte sich dann aber Philipp Rathmers unverdrossene Vorwärtsarbeit aus: seinen Fernschuß von links ließ der Piraten-Goalie prallen, Jan von Döhren stocherte zum Ausgleich ein. Der zweite Abschnitt sah die Rüsseltiere im Dauerangriff, ohne dass Zählbares dabei herauskam. Im fälligen Penaltyschießen fuhr Keeper Tjark Lindenau sämtlichen drei Schützen der Piraten beherzt entgegen und hielt sein Gehäuse sauber. Sein Konterpart bei den Freibeutern dagegen musste sich Philipp Rathmer als zweitem Schützen geschlagen geben, der so den zweiten Punkt für die BlauMammuts sicherte.

Die nächste Aufgabe gegen die Brokdorf Barracudas lösten die Blauen ohne Zusatzarbeit. Zwar gab es ein déjà vu: Dauerdruck der Mammuts, 0:1 Rückstand nach Barracuda-Konter in der fünften Minute. Und wieder die Wende durch Philipp Rathmer, der abermals per Strafstoß traf, nachdem sich ein Brokdorf-Spieler die Scheibe vor dem eigenen Tor mit der Hand gesichert hatte. Nur acht Sekunden später gewann Arne Ufer, der als Leihgabe der GelbMammuts ans Bruderteam eine Art Alleinunterhalter in der dritten Reihe spielte, das Mittelbully und behielt die Scheibe gleich selbst, um mit einem kurzen Schlenzer das 2:1 zu markieren. Der Rest blieb dem hervorragend aufgelegten Tjark Lindenau überlassen: Mit zwei great saves gegen allein durchgebrochene Barracudas hielt der Goalie den zweiten Tagessieg fest.

Partie Nummer drei sollte die beiden Mammutteams gegeneinander führen, und das Ergebnis schien vorgezeichnet. Für die Gelbmammuts nämlich war es bis dahin nicht gut gelaufen. Bei ihrer Auftaktniederlage gegen Harsefeld hatte nichts zusammengepasst. In der vielversprechenden ersten Reihe hatten weder der auch hier technisch überragend agierende Arne Ufer noch seine nominell starken Partner Marc Kudenholdt und Andy Wielgoß scoren können. Und auch die zweite Linie, die für ihr sonst blindes Verständnis vielgepriesene MG-Reihe, brachte nichts zustande. Das 0:4 gegen den späteren Turniersieger Harsefeld markierte die seit langem bitterste Stunde, die ein Mammut-Team zu durchleben hatte. Das zweite Spiel hatte die Gelben dann allerdings stark verändert gesehen. Gegen die hoch eingeschätzten Backdrafts aus Köln fand die Mannschaft um Präsi Dirk Meyer ansatzweise zu ihrem geschätzten, kontrollierten Kombinationsspiel zurück, entwickelte aber nicht den Biss, mit der man der Feuerwehr das Wasser hätte abgraben können. Ein einziger Treffer von Arne Ufer zum 1:2 reichte nicht, um die spielerische Gleichwertigkeit mit dem Gegner auch in Zahlen auszudrücken.

Vor dem Bruderstreit zwischen Blau und Gelb sprachen der Punktestand – fünf gegen null – eindeutig für das Team um Matthias Bierer. Und es sah zunächst auch so aus, als hätte Gelb-Goalie Jonny Antonius in der Spielpause das falsche Mentaltraining angewendet: seligen Antlitzes hatte er sich vor dem großen Freezers-Flachbildschirm von Monstern auf KiKa unterhalten lassen. Auf dem Eis hieß das Monster, das ihn das Fürchten lehrte, Sebastian Döring: mit einem trockenen Schuss ins rechte obere Eck brachte er in der zweiten Minute die Blauen in Führung. Nur eine Minute später allerdings glich Arne Ufer im Alleingang für die Gelben aus. Und als Andi Wielgoß einen Ufer-Pass von der rechten Seite am langen Pfosten aufnahm und einschob, war das Spiel zur Überraschung aller zugunsten der Meyerei gedreht. Einmal in Führung, nahmen die folgsamen Gelben die Mahnungen des Trainers ernst und leisteten konzentrierte Defensivarbeit gegen die furios anrennende Reihen der blauen Brüder. Siggi Laakmann schließlich stellte in der sechsten Minute des zweiten Abschnitts das Resultat auf 3:1, das der gut eingespielten blauen Defense nicht mehr zu nehmen war.

Der Sieg im Rüssel-Derby gab den GelbMammuts kräftig Auftrieb. In der Folgepartie gegen die Pirates demonstrierten sie, dass sie auch die Offensive beherrschten. Den gesamten ersten Abschnitt hindurch verlegten sie das Geschehen in die Angriffszone, mit großartigen Chancen, die sie indes nicht zu verwerten wussten. Erst in der vierten Minute fiel der Führungstreffer, auch diesmal durch Arne Ufer. Eine Hinausstellung gegen Joel Meyer wegen Spielverzögerung im Anschluß nahmen die Gelben cool zum Anlass, lehrbuchartiges Penalty Killing zu zelebrieren. In der siebten Minute machte Ufer den Piraten mit einem Flachschuss durch die Schoner ihres Goalies den Garaus – und nicht einmal ein weiteres Unterzahlspiel der Mammuts konnte etwas daran ändern, dass der zuverlässig arbeitende Goalie Jonny Antonius einen Shutout feiern konnte.

Für ihr letztes Spiel hatten sie die GelbMammuts vorgenommen, den Aufwärtstrend des Tages mit einem finalen Sieg zu krönen. Sie mussten sich damit begnügen, in der torreichsten Partie des Turniers ein großartiges Gegner und unglücklicher Verlierer zu sein. Vom Anstossbully weg waren die Brokdorf Barracudas in Führung gegangen, die sie im ersten Spielabschnitt zum 4:2 ausbauten. Zweimal aber kamen die Gelben in der Schlusshälfte zum Anschluss, und als der Ausgleichstreffer zum 5:5 fiel, bebte zum ersten mal wirklich die Halle. Allein – die Unparteiische mochte den Treffer nicht anerkennen, und im Gegenschlag kam Brokdorf Sekunden vor der Schlusssirene noch zum 6:4. Erfolgreiche Schützen für die Gelben waren einmal Andi Wielgoß und mit gleich drei Zählern machte der Mann mit dem Vornamen Arne das Turnier endgültig zum Ufer-Festival.

Das blaue Bruderteam bekam es in der zweiten Hälfte des Tages mit den dickeren Brocken zu tun – und schlug sich beachtlich, in der erste Begegnung gegen Backdraft Cologne sogar buchstäblich. In der hitzigen Partie flogen gleich zweimal die Fäuste, wobei sich auf Seiten der Blauen Matthias Bierer und Jörg Gronmeyer als sportliche Multitalente outeten. Sebastian Döring investierte überschießende Kraft stattdessen in einen Hammerschuss von der blauen Linie, der zum einzigen Mammut-Treffer im Feuerwehrhaus einschlug. Mit zwei Kontern allerdings gaben die Backdrafter dem Heimteam das Nachsehen und sicherten sich die Anwartschaft auf den Turniersieg.

Für den indes hätten die Blauen in der letzten Partie die Konkurrenz aus Harsefeld schlagen müssen, und der Auftakt war auch ganz nach dem Geschmack der Städtefreundschaft Köln-Hamburg, die sich den Boxeinlagen in der direkten Begegnung zum Trotz mittlerweile entfaltet hatte. Jan von Döhren brachte das Rüssel-Team auf Vorlage von Christian Brehm mit 1:0 in Führung und sorgte unter den Kölschen auf den Rängen für Fastelovend-Stimmung. Doch leider nutzte den Blauen nicht einmal die starke stimmliche Unterstützung der Domstädter. Zwar tönte es laut vernehmlich „Hintermann“ von den Rängen, als Abwehrrecke Thomas Haffke einen tief gespielten Pass aus der linken Ecke der Verteidigungszone fischen wollte – der Blick zurück über die rechte Schulter war aber die falsche Wahl, der Tiger-Enten-Angreifer kam von links, passte vors Tor: Ausgleich. Zehn Sekunden vor Schluß fiel der turnierentscheidende Siegtreffer für Harsefeld, der die Blauen auf Platz fünf hinter die gelben Brüder schickte.

Dennoch waren am Ende alle Mammuts im Eishockeyhimmel. Die Blauen hatten sich gehörig ausgetobt, und für die Gelben hatte es nach dem Auftaktdesaster ohnehin nur nach oben gehen können. Arne Ufer hätte die Auszeichnung Most Valuable Player zugestanden – von deren Vergabe die Jury internationaler Fachjournalisten allerdings ausnahmsweise absah. Stattdessen wurde das Prädikat MVP diesmal in Most Valuable President umgemünzt – und für diesen Titel kam nur ein Mann in Frage: Dirk Meyer. Das Rätsel allerdings, wie dieser Mann es schafft, in seinen Tagewerken erfolgreicher Unternehmer, fünffacher Super-Dad und turnierorganisierendes Ober-Mammut zu sein, vermochten auch erfahrene Berichterstatter nicht zu lösen.
Wenigstens musste er nicht auch noch tanzen. Für die Aufgabe, mit dem Tanzmajor der Backdrafts in Funktionsunterwäsche und unter musikalischer Begleitung des Chors der Kölner Feuerwehr zur Siegerehrung einen Walzer aufs Eis zu legen, hatten die jecken Kölschen sich doch lieber Vizepräsidentin Singa Meyer-Gätgens ausgesucht.
Die schunkelnden Mammuts aber, blaue wie gelbe, wurden um diese späte Stunde wieder ein einziges Team – op Kölsch: „Eschte Mammuzz stonn zosamme!“

BlauMammuts: Tor: Tjark Lindenau; Verteidigung: Philipp Rathmer, Thomas Haffke; Christoph Riedel, Jörg Gronmeyer; Angriff: Jan von Döhren, Christian Brehm, Matthias Bierer; Christos Stambolidis, Jan-Philip Riedel, Sebastian Döring; Nicole Matthiesen, Johannes Erchen, Kevin Jochims

GelbMammuts: Tor: Jonny Antonius; Verteidigung: Dirk Meyer, Oliver Sohst; Roman Löbsch, Joel Meyer; Angriff: Andi Wielgoß, Arne Ufer, Marc Kudenholdt; Singa Meyer-Gätgens, Olaf Meyer, Wolfgang Gehrmann; Siggi Laakmann, Holger Lund, Björn Jacobsen

Stimmen zum Spiel:

Matthias Bierer: „Die Kölner Westkurve! Die haben uns in einer Weise unterstützt, die weit über das Nötigste hinausging. Deren Aufrichtigkeit, Sportsmanship und die sprichwörtlich gute Laune haben mich wie ein sehr emotionales Dankeschön berührt – trotz der ebenso emotionalen Ausfälle während des Spiels gegen uns … und meinem fatalen Fehlpass, der ihnen den Sieg gegen uns brachte.“

Jörg Gronmeyer: „Als ich am Mittag nach dem Spiel aufgewacht bin, hatte ich ein Lächeln im Gesicht wegen des gelungenen Turniers. Als ich versucht habe mich zu bewegen, hatte ich aber das Gefühl, von einer Lok überfahren worden zu sein. Ansonsten bin ich froh, dass Singa in der Kabine auf dem Tisch getanzt hat und nicht Holger Lund.“

Sebastian Döring: „Ich war der Sausack, der das Tor gegen Blau geschossen hat.“

Roman Löbsch: „Die Verteidiger stehen versetzt hintereinander, toll. Wieder was dazugelernt.“

Arne Ufer: „Wie geht denn die Dusche hier an?

Spielergebnisse 1. Mammuts-Cup 2012

HeimGastErgebnis
Mammuts blauScharbeutz Pirates2:1 n.P.
Brokdorf BarracudasBackdraft Cologne1:2 n.P.
Harsefeld Tiger-EntenMammuts Gelb4:0
Brokdorf BarracudasMammuts blau1:2
Scharbeutz PiratesHarsefeld Tiger-Enten0:2
Backdraft CologneMammuts Gelb2:1
Harsefeld Tiger-EntenBackdraft Cologne3:2 n.P.
Mammuts GelbMammuts blau3:1
Scharbeutz PiratesBrokdorf Barracudas0:1
Mammuts GelbScharbeutz Pirates2:0
Harsefeld Tiger-EntenBrokdorf Barracudas3:1
Mammuts blauBackdraft Cologne1:2
Mammuts GelbBrokdorf Barracudas4:6
Backdraft CologneScharbeutz Pirates2:1
Mammuts blauHarsefeld Tiger-Enten1:2

Schlußtabelle 1. Mammuts-Cup 2012

PlatzMannschaftPunkteTorverhältnis
1.Harsefeld Tiger-Enten1414:4
2.Backdraft Cologne 1210:7
3. Brokdorf Barracudas710:11
4.Mammuts gelb610:13
5.Mammuts blau57:9
6Scharbeutz Pirates12:9

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